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Gegenwartskunst und Theologie im Hohenwart Forum

    Die aktuelle Ausstellung


    Gegenwartskunst und Theologie im Hohenwart Forum

    Seit 15 Jahren Jahren ist das Hohenwart Forum ein herausragender Ort der Begegnung zwischen zeitgenössischer Kunst und Theologie, bzw. Kirche.
    Ständige und wechselnde Ausstellungen von Gegenwartskünstlern, Vernissagen, Künstlergespräche und vor allem die regelmäßigen ART-Gottesdienste erproben den Dialog zwischen Gegenwartskunst und Theologie.
    Für die Pausengespräche, aber auch für die morgendlichen Meditationen in der Kapelle erweist sich die Gegenwart der Kunst als anregend.
    Künstlerinnen und Künstler schätzen die kompetente Begleitung durch die Kunsthistorikerin Krisztina Jütten.
    Überhaupt - Kunst ist präsent im Hohenwart Forum: im Foyer und auf dem Weg zu den Tagungsräumen, im Ruheraum, im Restaurant, in der Kapelle...
    Eigens für Hohenwart entstandene Publikationen und Kataloge dokumentieren diese Arbeit.
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    Aktuelle Ausstellungen

    "Sandra Jost"
    "ein und aus und ein und aus und ein und aus und ein und aus und ein und aus und ein und aus" - Arbeiten aus Leinwand und Harz

    22. Januar - 18. März 2012
    Die Ausstellung wird am Sonntag, den 22. Januar 2012, um 11:00 Uhr mit einem ART-Gottesdienst und anschließender Vernissage eröffnet.

    Jeder von uns hat Erinnerungen. Jedem bedeuten sie etwas, jeder geht anders mit ihnen um. Erinnerungen werden gepflegt, werden verdrängt, werden festgelegt oder hinterfragt, wirken positiv oder negativ auf unser Leben. Sie können unsere Entwicklung fördern oder behindern. Wir erinnern uns an das, was wir erlebt haben, wir ordnen unser Erlebtes und geben ihm dadurch Sinn. Unsere Erinnerungen sind manchmal rein, manchmal vermischen sich aber auch unterschiedliche Ereignisse aus verschiedenen Zeiten und von verschiedenen Orten zu neu konsturierten Bildern der Erinnerung.

    Was sind eigentlich Erinnerungen?
    Woran erinnert man sich, wenn man sich erinnert?
    Was reproduziert man dann, wenn man sich erinnert und vor allem wie?
    Wenn man Erinnerung als Reproduktion eines Ereignisses auffasst, unterscheidet man noch zwischen Erinnerung und Wirklichkeit?
    Welche Wege gehen unsere Erinnerungen?

    Das sind die Fragen, mit denen sich auch die Künstlerin Sandra Jost in ihrer Kunst beschäftigt. Sie präsentiert ihre Arbeiten in einer überraschenden Bandbreite an technischen Gestaltungs- und Ausdrucksmöglichkeiten. Das Thema Erinnerung zieht sich wie ein Leitfaden durch die Ausstellung.

    Von ihren frühesten Arbeiten – aus dem Jahr 2000 – zeigt die Künstlerin in Hohenwart eine Auswahl ihrer Kunstharzobjekte. In unter-schiedlichen geometrischen Formen wie Kugel, Würfel und Polyeder aus Kunstharz hält sie Erinnerungs-bilder fest. Die erste Werkgruppe besteht aus 33 Kunstharzkugeln – ursprünglich umfasste diese Gruppe 100 Objekte – trägt den Titel instent. Zur Ausgangsbasis all dieser Kunstharzobjekte wählt Sandra Jost bewußt Fotografien, so entdecken wir in jedem Objekt ein Porträt. Die von ihr selbst gefertigten und transparenten Polaroidbilder bringt die Künstlerin auf die Innenseite der halbierten Kugeln auf: ein Bild in jeder Kugel. Die Fotografien werden in Kunstharz eingegossen, die rätselhafte Verbindung zwischen dem Foto und dem Kunstharz ist Ergebnis ihrer eigenen dafür entwickelten Technik – deren Geheimnis die Künstlerin nicht verrät. Die durchsichtigen Kugeln fangen den Eindruck der Flüchtigkeit, den Moment, den Augenblick auf faszinierende Weise auf Dauer ein.

    Sie erinnern an Seifenblasen, an diese hohle Kugeln mit schillernden Oberflächen, die gewöhnlich nur für wenige Momente stabil bleiben und empfindlich auf die Berührung mit festen Objekten reagieren. Manchmal verhalten sich unsere Erinnerungen ähnlich wie Seifenblasen. Sie erscheinen kurzfristig, schillern durch unseren Kopf und sind im nächsten Augenblick schon wieder vergangen. Wegen dieser leichten Vergänglichkeit wurde die ,Seifenblase‘ in der Kunst spätestens seit dem Barock als ein Vanitassymbol benutzt und sollte sowohl die Schönheit als auch die Flüchtigkeit des menschlichen Lebens widerspiegeln. Auch die Kunstharzobjekte von Sandra Jost symbolisieren sowohl die Schönheit als auch die Vergänglichkeit und Kurzlebigkeit unseres Lebens, unserer Erinnerungen.

    Eine zweite Werkgruppe stellen die 2009 entstandenen Kunstharz-Polyeder-Objekte dar – bestehend aus sechs dreieckigen Flächen und fünf Spitzen. Auch hier finden wir in jedem Objekt ein Foto. Mit der gewählten Form unterstützt die Künstlerin die inhaltlichen Aussage. Drehen wir den Polyeder, veändern sich unsere Einblicke. Je nach Blickwinckel, je nach Drehpunkt erscheint das gespeicherte Bild anders. Unsere Betrachtung wird beeinflußt von Verzerrungen, Spiegelungen und Lichtreflexen. Wir sehen die Bilder doppelt und gleichzeitig aus unterschiedlichen Perspektiven. Wir suchen in den Objekten neugierig nach Veränderungen oder vielleicht auch nach dem optimalsten Bild, nach dem schönsten Gesicht, nach dem schönsten Blickwinkel, - eigentlich genauso wie auch in unseren Erinnerungen.

    Nicht nur die gewählte Form der Objekte, sondern auch die Nutzung einer Fotografie als zentrales bildlches Element unterstützt in diesem Zusammenhang die Gesamtaussage ihrer Kunstwerke. Mit Fotografien versuchen wir alle unsere Erinnerungen zu bewahren und so flüchtige Momente des Lebens objektiv festzuhalten. Unsere Erinnerungen verblassen mit der Zeit, deshalb versuchen wir sie mit Hilfe einer Fotografie zu fixieren. Fotografieren ist Bewahren. Und von all den Motiven, die wir bewahren wollen, stehen Menschen an erster Stelle: Eltern, Kinder, Freunde, Bekannte, die auch in der Kunst von Sandra Jost die Hauptmotive darstellen.

    Für die Kapellle enstanden in den letzten zwei Monaten 4 neue großformatige Arbeiten. Die Leinwandbilder sind in mehreren Arbeitschritten in Mischtechnik aufgebaut. Das Ausgangsmaterial bilden hier wieder Fotografien, diesmal nicht wie bei ihren Kunstharzobjekten ihre eigenen Aufnahmen, sondern Erinnerungsfotos ihrer Eltern. Die Fotografien werden am Computer bearbeitet, auf kleine schmale Leinwände gedruckt, und wie bei einer Patchworkarbeit, werden die einzelnen kleinen Leinwände zu einer größeren Bildfläche zusammengenäht. Die Arbeit wird ausgepolstert, es ensteht so der Effekt eines flachen Kissens, eine unebene Fläche, die sich leicht in den Raum hinein wölbt und damit leicht dreidimensional wirkt. Ein ganz entscheidender Schritt ist die darauffolgende Nachbearbeitung des Bildes. Die Oberfläche wird durch die Künstlerin teilweise mit Pinseln und Schwämmen abgewaschen. Wodurch die Farben verlaufen, wenige Bildelemente bleiben dabei scharf, manche Bildpartien werden von unscharf bis nicht erkennbar verändert, wie weggewischt. Sie scheinen sich nach und nach aufzulösen. Manche Bildelemente werden durch Zeichnungen miteinander verbunden, Linien weitergeführt oder ergänzt, manches wird durch Konturen zeichnerisch hervorgehoben. Mit diesen künstlerischen Mitteln findet Sandra Jost formale bildliche Entsprechungen dessen, was mit unseren Erinnerung wirklich passiert. Die Parallelen sind beeindruckend und überraschend zugleich. Genauso wie unsere Erinnerungsbilder, die häufig auch nur noch aus einzelnen Fragmenten bestehen, aus denen wir immer bemüht sind ein selbst zusammenfügtes Ganzes zu rekonstruieren und die kleinen inneren Bildfragmente in ihren damaligen Kontext zurückzustellen. Wie in unseren Erinnerungen, mischen sich auch hier fiktive Vorstellungen, Wünsche und die Wirklichkeit.

    Sandra Jost präsentiert in ihrer Ausstellung ganz ungewöhnliche Visualisierungen unseres eigenen Umgangs mit unseren persönlichen und kollektiven Erinnerungen. Durchgängig, aber in unterschiedlichen Ausdrucksformen, thematisiert Sandra Jost die Fassetten, die Notwendigkeit, aber auch die Unzuverlässigkeit des Erinnerungsprozesses und rührt damit an unserem inneren Selbstverständnis, an unserer subjektiv gesicherten Vergangenheit. Vorstellungen und Phantasien stürmen unentwegt auf unser Erinnerung ein, und da wir versucht sind , der Realität des imaginären zu glauben, machen wir schließlich aus unserer fiktiven Erinnerung eine Wahrheit.

    Schließlich bleibt die Frage offen, macht unser Leben die Erinnerung aus?
    Haben wir noch eine Existenz ohne unsere Erinnerungen?

    Krisztina Jütten M.A.
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